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Auf den Spuren E.T.A. Hoffmanns
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Am Montag, den 07.06.2010, begab sich der Deutschkurs 11-1 mit Frau Kestler, geführt von der Historikerin Frau Heinsch vom Verein “Geschichte für alle e.V.”, auf die Spuren E.T.A. Hoffmanns in Bamberg. Startpunkt war vor dem gleichnamigen Theater. An seiner bronzenen Figur erfuhren wir grundlegende Fakten über den von 1808 bis 1813 in Bamberg lebenden Dichter Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, der seinen letzten Vornamen aus Verehrung für Mozart in “Amadeus” änderte. Er wurde 1776 in Königsberg geboren und starb 1822 in Berlin. Durch den Einmarsch französischer Truppen 1806 verlor Hoffmann seine Anstellung als Beamter in Warschau und zog nach Berlin, wo er vergeblich eine Stelle suchte. Er bekam 1808 an dem damaligen Provinztheater Bamberg eine Anstellung als Musikdirektor und Komponist, wurde jedoch den dortigen Erwartungen nicht gerecht - so dirigierte er vom Flügel aus, anstatt die Sänger mit der Geige zu unterstützen - und faktisch zum Bühnenarchitekten und Kulissenmaler degradiert. Obwohl Hoffmann den Titel “Musikdirektor” beibehalten durfte, der ihm Zugang in die gehobene Gesellschaft eröffnete, war er mit seiner niederen Position unzufrieden, zumal ihn immer größere Geldsorgen quälten. Zudem litt er unter der spießbürgerlichen, geistig engen Gesellschaft. Um sich abzulenken, fing er Affären mit Schauspielerinnen an, die er “Blitzableiter” nannte und neben der Ehe mit Mischa, seiner ihn treu versorgenden polnischen Frau, pflegte.
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Die nächste Station bildete die “Theaterrose”. Der damalige Besitzer Kunz, welcher in Bamberg die erste Leihbibliothek eröffnet hatte, war mit Hoffmann eng befreundet und sein späterer Verleger. Wir hörten von unserer Stadtführerin, dass dort einige seiner Karikaturen mehr oder weniger im Vollrausch entstanden seien. Im betrunkenen Zustand konnte Hoffmann laut eigener Aussage der Phantasie freien Lauf lassen und seine anderen Ichs erkunden. Ob nun der Künstler den Alkohol kontrolliert und gezielt zur Inspiration benutzt hat oder ob man ihn als Alkoholiker bezeichnen muss, wird in den Quellen unterschiedlich gedeutet. Damit wuchs in uns die Neugier, mehr von dieser umstrittenen Person zu erfahren.
Wenige Schritte von der Theaterrose entfernt befindet sich am Schillerplatz das Haus Nr. 26. Ein Täfelchen über dem Eingang weist darauf hin, dass der “Dichter, Componist und Musiker E.T.W. Hoffmann” von 1809 bis 1813 in den beiden oberen Stockwerken dieses Hauses gelebt hat. Sein Gehalt war so gering, dass er sich kein größeres und vor allem kein eigenes Haus leisten konnte, was eigentlich seine Vorstellung gewesen wäre. Teilweise waren die Geldsorgen der Familie Hoffmann so groß, dass man Hunger leiden musste, obwohl Hoffmann als Musiklehrer tätig war und Rezensionen für die “Allgemeine Musikalische Zeitung” schrieb. Seit 1809 unterrichtete er die Töchter der Konsulin Franziska Marc in Gesang. E.T.A. Hoffmann war über Jahre hinweg in seine jugendliche Schülerin Julia Mark (1798-1865) verliebt, obwohl keine Aussicht bestand, diese jemals zu gewinnen.
Diese Liebe war der Anlass für unsere Führerin, eine kleine Anekdote zu erzählen: Im August 1812 wurde Julia mit dem Kaufmannssohn Johann Graepel verlobt. Beim Zusammentreffen der beiden Konkurrenten zur Verlobungsfeier auf Schluss Weißenstein bei Pommersfelden konnte der Dichter seine aufgestaute Enttäuschung und Wut nicht länger verbergen und stellte Graepel öffentlich bloß, als dieser betrunken zu Boden fiel. Die gute Beziehung des Künstlers zum Hause der Konsulin fand damit ein jähes Ende. Auch sein Ansehen in der Stadt war durch diese peinliche Begebenheit gänzlich runiert, sodass sein Unbehagen wie auch die Geldsorgen immer mehr anstiegen. Ein Jahr später trat Hoffmann eine Stelle als Musikdirektor in Leipzig an und verließ Bamberg erleichtert nach fünf harten “Lehr- und Marterjahren”.
Die Begegnung mit Julia Marc verarbeitete Hoffmann literarisch vielfältig, etwa in der Erzählung “Nachrichten von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza” wie auch in den “Lebensansichten des Kater Murr”. Wie sehr er in seine ehemalige Privatschülerin verliebt war, die ein großbürgerliches Haus in der Langen Straße bewohnte, zeigen die vielen Ähnlichkeiten mit weiblichen Figuren in seinen Stücken. Auch die Schmetterlinge auf Hoffmanns Grabstein, die auch auf den Fensterscheiben seiner ehemaligen Wohnung zu sehen sind, deuten auf diese Liebe hin, die in den Tagebucheinträgen nur verschlüsselt und z. T. fremdsprachlich erscheinen konnte, um nicht den Argwohn der Ehefrau zu wecken. Neben den Schmetterlingen sind auch Kelche zu sehen, die in den persönlichen Aufzeichnungen Auskunft über den Umfang des jeweiligen Alkoholkonsums geben. Julia Marc ist jedoch nicht die einzige Verbindung zu Bamberg. So schwingt in dem Märchen “Der goldene Topf” auch ein Hauch von Bamberger Stimmung mit (etwa auf dem Markt, an der Regnitz), der sich in dem Bild des “Apfelweiblas” als Türknopf eines Hauses in der Eisgrube noch heute widerspiegelt.
Neben E.T.A. Hoffmann weilten in Bamberg noch viele weitere Dichter und Denker, einige davon auch in der Zeit des heute überall präsenten Künstlers. Auf der Unteren Brücke erfuhren wir mit Blick auf Klein Venedig, dass Wilhelm Heinrich Wackenroder (1773-1798) und Ludwig Tieck (1773-1853) mit ihrem Buch “Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders” einen wahren Pilgerwahn in der Bevölkerung auslösten und die Frühromantik einläuteten. Die Briefe enthalten Beschreibungen der Landschaften und Menschen rund um Bamberg, Bayreuth und Nürnberg, etwa Eindrücke von einem Pontifikalamt im Dom.
Zum Abschluss der Stadtführung ging es zum Pfahlplätzchen. Am ehemaligen “Haus zum Rebstock” wies uns ein Täfelchen darauf hin, dass dort im Jahr 1807 der Philosoph und Redakteur Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) gewohnt hatte. Er war Chefredakteur der Bamberger Zeitung und wollte diese modernisieren, geriet jedoch bald in Konflikt mit dem bayerischen Pressegesetz. Da er sich mit dem Zensurrecht nicht abfinden konnte, kündigte er seine Stellung, verließ 1808 ernüchtert die Stadt und zog ins liberalere Nürnberg.
Der Deutschkurs Q 11-1 und Frau Kestler bedankten sich bei Frau Heinsch für die interessante und unterhaltsame Führung bei strahlendem Sonnenschein. Wir konnten viele anregende, amüsante und neue Eindrücke gewinnen, die uns jetzt mit einem anderen Blick durch Bamberg gehen lassen.
Carmen Bogar, Angela Kestler
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