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Literatur am Theresianum

Im Februar fanden am Theresianum Bamberg zwei Veranstaltungen statt, um den Schülerinnen und Schülern der Kollegstufe die Begegnung mit Literatur auf eine für viele neue und lebendige Weise zu ermöglichen.

So gab der in Stegaurach lebende Schriftsteller, Journalist und Übersetzer Nevfel Cumart, dessen Lesereisen längst über Deutschland hinaus bis ins Ausland führen, am 6. Februar einen eindrucksvollen Einblick in sein lyrisches Werk. Er faszinierte dabei vor allem durch seine offene, natürliche und sympathische Art, seine Texte völlig unpathetisch vorzutragen und als "Autor zum Anfassen" auf die Wünsche und Anliegen der jungen Erwachsenen einzugehen.
Themen wie Schulzeit oder erste Liebe wurden dabei ebenso aufgegriffen wie Schwierigkeiten der Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund, bildungspolitische Anliegen oder der Umgang mit dem Tod. Auch privaten Fragen wich der türkischstämmige Autor nicht aus, der durch seine Biographie - er kommt nach eigenen Angaben aus einem "bildungsfernen Elternhaus" - ein Beispiel für so manchen Theresianer gab, dass man es mit dem nötigen Engagement und Durchhaltevermögen wirklich aus eigener Kraft "schaffen" kann. Der in Stade geborene Cumart, über dessen Leben zur Zeit eine Dokumentation für das Fernsehen gedreht wird, ging einfühlsam auf jeden Wortbeitrag der jungen Zuhörer ein und antwortete je nach Situation witzig-spontan bis reflektiert-nachdenklich, stets aber mit einer beeindruckenden natürlichen Eloquenz. Wer wollte, konnte sich im zweiten Teil der Veranstaltung auch auf Zuruf ein Gedicht zu einem Thema nach Wahl wünschen. Jeder Text wurde in eine amüsant vorgetragene Geschichte oder in einen persönlichen Erfahrungshintergrund eingebettet. Für viele der Kollegiaten war es eine ganz neue Erfahrung, Lyrik auch ohne großen schriftlichen Interpretationsaufwand einfach nur durch aufmerksames Zuhören erfassen und verstehen zu können. Die angehenden Abiturienten lauschten so gespannt und aufmerksam, dass die zur Verfügung stehende Zeit viel zu schnell verging.
Für alle, die noch mehr Texte des Autors kennen lernen wollten, gab es nach der Lesung die Möglichkeit ein persönlich signiertes Buch zu erwerben.

Zwei Wochen später, am letzten Schultag vor den Faschingsferien, kam der Schriftsteller und Vortragskünstler Gerd Berghofer, ein gebürtiger Mittelfranke, an das Theresianum. Er stellte den Kollegiaten und Kollegiatinnen Dichter vor, deren Werke 1933 verbrannt wurden. Dabei widmete er sich vor allem solchen Autoren, die heute beinahe vergessen sind, d. h. jene, bei denen die schändlichen Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten genau das erreicht haben, was sie bezwecken sollten - die Werke und die dahinter stehenden Schriftsteller aus dem Bewusstsein der Menschen zu tilgen.
Gerd Berghofer trug die Biographien und Texte der Autoren so lebendig und ausdrucksstark vor, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.
Neben berühmte Namen wie Erich Kästner oder Kurt Tucholsky stellte er auch unbekanntere wie Albert Ehrenstein, Ernst Weiß oder Erich Mühsam, den er als eine besonders beeindruckende und unbeugsame Persönlichkeit hervorhob.
"In einem Land, in dem man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen!" Dieser Satz von Heinrich Heine klang in den Köpfen der Zuhörer nach den gut 90 Minuten noch lange nach - nicht zuletzt wegen der eindrucksvollen, rhetorisch geschulten und auch schauspielerisch unterstützten Vortragsweise des Rezitators. Eine CD mit einer Auswahl der wichtigsten Texte und Lebensgeschichten dieser Opfer des Nationalsozialismus konnte am Ende der Veranstaltung käuflich erworben werden.

Am Ende von beiden Lesungen, zu denen der stellvertretende Schulleiter StD Bruno Schmitt die Gäste herzlich begrüßte und die Einführung in die Thematik übernahm, bedankte sich die für die Organisation verantwortliche Deutschlehrerin Angela Kestler mit einem kleinen Präsent.
Es bleibt zu hoffen, dass auf den "literarischen Februar" am Theresianum noch viele Veranstaltungen dieser Art folgen werden, um die Begegnung mit Literatur auch über den regulären Schulunterricht hinaus lebendig und nachhaltig zu gestalten.

StRin Angela Kestler und Nicolas Kehl, K12




 
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